Das Zeitalter der sensorischen Techtopien

a man with VR device

Studien zufolge wünschen sich erstaunliche 63 % der Verbraucher*innen, dass Produkte ihnen multisensorische Erlebnisse bieten, und 82 % erwarten, dass möglichst viele Sinne angesprochen werden, wenn sie etwas Neues erleben.

In der heutigen technologisch fortgeschrittenen Welt suchen Unternehmen ständig nach neuen Wegen, um Verbraucher*innen zu fesseln und starke Bindungen herzustellen. Die Nachfrage nach multisensorischen Erlebnissen hat stark zugenommen, insbesondere nach der Zeit der sensorischen Deprivation, die durch die Pandemie verursacht wurde.

Ein Fest für die Sinne:

Traditionell dominieren visuelle Reize das Einkaufserlebnis. Jüngste Fortschritte ermöglichen es Unternehmen jedoch, alle Sinne anzusprechen, um beeindruckende Umgebungen zu schaffen. Xydrobe, ein bahnbrechendes Erlebniskonzept für den Luxus-Einzelhandel, das 2023 auf den Markt kommen soll, will die Kund*innen mit Bildern, Düften, Surround-Sound und Temperatursteuerung in virtuelle Welten entführen. Nell Lloyd-Malcolm, CEO von Xydrobe, ist davon überzeugt, dass sie durch den Einsatz multisensorischer Elemente emotionale Reaktionen hervorrufen und unvergleichliche Erlebnisse schaffen können, die mit denen in Hollywood-Blockbustern vergleichbar sind.

Immersive Kollaborationen:

Führende Technologieunternehmen arbeiten mit der Unterhaltungsindustrie zusammen, um unvergessliche immersive Erlebnisse zu schaffen. Auf der CES 2023 präsentierte Canon in Zusammenarbeit mit Universal Pictures seine neuesten Innovationen im Bereich der immersiven Technologien. Die Besucher*innen wurden durch immersive Technologien, darunter die Canon Virtual Reality (VR) Software Kokomo und das Canon MReal Mixed Reality Headset, in die Handlung des Thrillers „Knock at the Cabin“ versetzt. Durch die Interaktion mit fotorealistischen Umgebungen und die Übernahme der Rollen von Filmfiguren konnten die Besucher*innen virtuelle Möbelstücke verbarrikadieren, um Angreifer*innen abzuwehren, wodurch ein verstärktes Gefühl von Präsenz und Spannung entstand.

Lücken schließen:

Tastsinn: Während Bild und Ton bereits erfolgreich in immersive Erlebnisse integriert wurden, ist der Tastsinn noch nicht vollständig in virtuelle Umgebungen eingebunden. Jody Culham, kanadische Forschungsprofessorin für Immersive Neurowissenschaften, weist auf das Fehlen taktiler Empfindungen in der aktuellen Virtual-Reality-Technologie (VR) hin. Forscher*innen arbeiten jedoch aktiv daran, diese Lücke zu schließen. Zukünftige Fortschritte könnten die Integration von taktilem Feedback in VR-Erlebnisse ermöglichen, was die Immersion verbessern und die Sinne stärker ansprechen würde.

Crowd in the AI vision

Empfindungen digital übertragen:

In Japan leisten NTT Docomo und kooperierende Einrichtungen Pionierarbeit bei der Übertragung von Sinneseindrücken, die es den Nutzer*innen ermöglicht, Bewegungen und taktile Empfindungen digital zu übertragen. Aufbauend auf der Feel Tech Technology will Docomo den Anwendungsbereich auf andere Sinneseindrücke wie Geschmack, Gehör und sogar Emotionen ausweiten. Diese bahnbrechende Entwicklung hat das Potenzial, die Art und Weise, wie Menschen miteinander in Kontakt treten und kommunizieren, zu revolutionieren und sensorischen Erfahrungen eine neue Dimension zu verleihen.

Geruch als narratives Mittel:

Obwohl Gerüche bei immersiven Erlebnissen oft übersehen werden, haben sie ein großes Potenzial, Betrachter*innen auf einer tieferen Ebene zu involvieren. Die Macht von Gerüchen, Erinnerungen zu wecken und Menschen an andere Orte oder in andere Zeiten zu versetzen, ist gut dokumentiert. Der Filmemacher A.R. Rahman präsentierte bei den Filmfestspielen in Cannes 2022 erstmals „Le Musk“, ein VR-Kinoerlebnis, das Gerüche als narratives Mittel nutzt. Der Film wurde von maßgeschneiderten Düften begleitet, die von The Feelies, einem Londoner Studio für multisensorische erweiterte Realität, kreiert wurden. Solche Experimente unterstreichen die wachsende Anerkennung der Rolle von Düften bei der Schaffung immersiver Erzählungen.

Multisensorische Erlebnisse für die eigenen vier Wände:

Aromajoin, ein japanisches Unternehmen für Dufttechnologie, stellte auf der CES 2023 den Aroma Shooter vor, mit dem sich Düfte und Videos mithilfe von „Solid State“-Kartuschen synchronisieren lassen. Dieses digitale Duftgerät, das für Spiele oder Filme entwickelt wurde, bringt multisensorische Erlebnisse in die eigenen vier Wände und wechselt augenblicklich zwischen verschiedenen Düften. Diese Innovation ermöglicht es den Nutzer*innen, ihr Spiel- oder Filmerlebnis zu verbessern, indem sie die Gerüche mit den Bildern auf dem Bildschirm synchronisiert und so ein noch tieferes Eintauchen in die digitalen Inhalte ermöglicht.

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Balance der sensorischen Immersion:

Obwohl Verbraucher*innen erwarten, dass digitale und virtuelle Erlebnisse alle Sinne ansprechen, ist es wichtig, die richtige Balance zu finden. Umfragen zeigen, dass 54 % der Menschen multisensorische Erlebnisse überwältigend finden. Forscher*innen gehen diese Herausforderung mit adaptiven Unterhaltungsformen an, indem sie KI und affektive Technologien nutzen, um Erlebnisse auf individuelle Vorlieben zuzuschneiden. Durch die Verfolgung von Biomarkern und den Einsatz von Gesichtserkennung können künftige Interaktionen mit der Technologie so angepasst werden, dass der „Sweet Spot“ erhalten bleibt, an dem die Nutzer*innen am meisten Spaß haben.

Die Zukunft der sensorischen Techtopien:

Mit dem Fortschritt der Technologie sind die Möglichkeiten der sensorischen Immersion grenzenlos. Die Beziehung zwischen Unternehmen und Verbraucher*innen wird sich durch KI weiterentwickeln und personalisierte und dynamische Erlebnisse schaffen. Darüber hinaus wird die laufende Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der sensorischen Technologien wahrscheinlich bestehende Lücken schließen, wie z. B. die Integration von taktilem Feedback in virtuelle Umgebungen.
 

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